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Worum geht es?
Ursprünglich ist die Geschäftsprozessmodellierung eine
Domäne der Betriebswirtschaft. Aus Sicht der Informatik ist Geschäftsprozessmodellierung
nur ein Randbereich. Aus den Ergebnissen einer Geschäftsprozessmodellierung
können aber Anforderungen und Rahmenbedingungen für Softwareentwicklungsprojekte
entstehen.
Die Fragen, die mit Geschäftsprozessmodellierung berührt
werden, sind aber eher betriebswirtschaftlicher Natur. Es geht hier beispielsweise
um Produktivitätssteigerungen, Outsourcing, Controlling, Reorganisation und
eben auch, und hier kommt die Informatik ins Spiel, um Automatisierung.
Methodisch beinhaltet Geschäftsprozessmodellierung die
Analyse und Beschreibung von Abläufen und ihre Einbettung in eine Organisation
und andere Rahmenbedingungen. Im Bereich der Ablaufmodellierung sowie der
Analyse und Beschreibung von Anforderungen, wie beispielsweise Geschäftsregeln,
existieren in der Informatik viele bewährte Ansätze und standardisierte
Notationen. Diese sind nicht originär für Geschäftsprozessmodellierung
vorgesehen nichtsdestotrotz dafür geeignet oder prädestiniert.
Die Unified Modeling Language (UML) ist ein
international (bspw. durch OMG und ISO)
und durch die Praxis anerkannter Standard in der (objektorientierten)
Softwareentwicklung. Die Autoren dieses Buches kommen zum einen aus diesem Umfeld,
zum anderen aus einem betriebswirtschaftlichen Bereich. Sie haben erkannt, dass
die aktuellen Standardverfahren und -notationen der Informatik, also
beispielsweise UML, auch für Geschäftsprozessmodellierung geeignet sind und
dass damit ein Bruch in der Darstellung und in der Vorgehensweise zwischen
Geschäftsprozessmodellierung und Softwareentwicklung geschlossen werden kann.
Die wichtigsten Vorteile der Geschäftsprozessmodellierung
mit Standardverfahren der Informatik sind:
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Durchgängigkeit: Die methodische Durchgängigkeit von
der Geschäftsprozessanalyse bis in die informationstechnische Automatisierung
dieser Geschäftsprozesse wird möglich. |
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Bewährte und
etablierte Techniken: Objektorientierte Programmierung und Modellierung
wird seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt und hat bewiesen, dass damit
große und komplexe Systeme bewältigt werden können. Entwurfsmuster und
-prinzipien der Informatik lassen sich auf die Geschäftsprozessmodellierung
übertragen. |
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Nachvollziehbarkeit:
Anforderungen, die das Geschäft stellt, lassen sich bis zur Implementierung
herunter (und zurück) nachvollziehbar dokumentieren. |
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Bessere
Verständigung: So wie Objektorientierung und UML die Kluft zwischen
Analyse und Design verringert haben, kann die Verwendung derselben Konzepte die
Barriere zwischen Prozessmodellierern und Systemanalytikern aufweichen. |
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Breite
Werkzeugunterstützung: Für die UML stehen eine Vielzahl ausgereifter Werkzeuge
mit verschiedenen Schwerpunkten und für unterschiedliche Zielgruppen bereit. |
Das vorliegende Buch wendet sich also gleichermaßen an
InformatikerInnen, beispielsweise in der Software-Projektleitung, Analyse und
Design, als auch an MitarbeiterInnen aus den Bereichen Geschäfts- und
Betriebsorganisation, Controlling, Unternehmensberatung und Betriebswirtschaft.
Mit unserem hier vorgestellten Ansatz verfolgen wir
außerdem das Ziel, möglichst einfache Modelle zu erstellen, die gerade
ausreichend sind, die mit der Geschäftsprozessmodellierung verbundenen Ziele zu
erreichen. Wir glauben, dass nicht der Umgang mit möglichst vielen und genauen
Informationen zu einer erfolgreichen Geschäftsprozessmodellierung führt,
sondern die klare Strukturierung und Einfachheit.
„Einfachheit ist eine Tugend. Einfachheit gibt Stärke“,
sagt Ikea-Gründer Ingvar Kamprad. Welcher Grad der Einfachheit für eine konkrete
Geschäftsprozessmodellierung angemessen ist, lässt sich nicht allgemein gültig
beschreiben und ist im konkreten Arbeitskontext herauszufinden und zu
entscheiden. Wir möchten Sie an dieser Stelle aber ermutigen, unsere
zahlreichen Hinweise auf Vereinfachungsmöglichkeiten in dem Buch ernst zu
nehmen und im Zweifelsfall immer den einfacheren Weg zu gehen.
Etwas einfach zu machen ist nicht einfach, es bedarf der
geschickten Abstraktion vom Komplexen zum Wesentlichen.
Bernd Oestereich
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